St. Johanneskapelle, Zarten

Kapelle

St. Johanneskapelle, Bundesstraße 40, in Zarten.

Hinter einer brusthohen Mauer, die im Sommer von üppig blühenden Rosensträuchern fast verdeckt wird, steht die St. Johanneskapelle, Bundesstraße 40, im Kirchzartener Ortsteil Zarten. Durch die West- oder ein Osttür in der Mauer tritt man zunächst in einen gepflegten Garten – den St. Johannesgarten – und erreicht auf gepflastertem Weg den Kapelleneingang an der Südseite der Kapelle.

Die Ursprünge der heutigen Kapelle reichen zurück ins 11. Jahrhundert. Schon davor existierte eine Kapelle in Zarten, die urkundlich zum ersten Mal 816 erwähnt wird (Urkunde des Klosterarchivs St. Gallen). Die Kapelle war bis ins 12. Jahrhundert Mittelpunkt einer Pfarrei, die von Freiburg bis in den Schwarzwald reichte. Der Namenspatron der Kapelle ist Johannes der Täufer.

Seit 1958 gehört die St. Johanneskapelle zur katholischen Pfarrgemeinde Stegen Herz Jesu. Betreut wird die Kapelle von der Pfarrgemeinde zusammen mit dem „Kirchlichen Förderverein St. Johanneskapelle Zarten“. Die Pfarrgemeinde ist Teil der Seelsorgeeinheit Dreisamtal.

Der St. Johannesgarten vor der Kapelle ist eine sehens-werte Besonderheit. Bis ins 19. Jahrhundert war das Gartengelände Teil des Zartener Friedhofs. In den Jahren 1987 – 1991 wurde der Garten im Rahmen der Dorfentwicklungs-maßnahmen durch die Gemeinde Kirchzarten neu angelegt. Der Garten beherbergt über einhundert Heil- und Kräuterpflanzen und ist frei zugänglich.

Das Äußere der Kapelle

Der Haupteingang, ein rundbogiges Portal, befindet sich an der Westseite der Kapelle. Er ist werktags geschlossen, unter der Woche ist der kleinere Seiteneingang an der Südseite offen: Eine eisenbeschlagene Tür mit Rundbogen. Rechterhand über dieser Tür wurde 1965 ein romanisches Rundbogenfenster freigelegt.

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Haupteingang,
Kapellenwestseite.

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Seiteneingang,
Kapellensüdseite.

Kapelle

Kapellensüdseite mit Wappenschild
und Sonnenuhr.

Kapelle

Doppelwappen von Vorder-
österreich und Freiburg.

Die Südseite der Kapelle wird geschmückt durch eine Sonnenuhr und einem Doppelwappen, das auf Vorderösterreich und die Stadt Freiburg verweist.

Der Dachreiter mit zwei Glocken und einer Uhr wurde 1878 errichtet. Im selben Jahr wurde auch die Sakristei angebaut. Die Stahlfachwerk-Konstruktion passt in die damalige Zeit, in der z.B. Gustav Eiffel viele Stahlkonstruktions-Bauten in Paris, Budapest aber auch in Südamerika entwarf oder betreute. Der Eiffel-Turm in Paris wurde erst zur Weltausstellung 1889 erbaut.

Im Dachreiter der Kapelle hängen zwei Glocken. „Die kleinere Glocke stammt aus dem Jahr 1922, die größere Glocke wurde nach dem Zweiten Weltkrieg hinzugegossen“ [Glockeninspektion des Erzbistums Freiburg: Geläut der Glocken].

Linkes Foto:
Tür zur Sakristei mit Jahreszahl im Türsturz

Mittleres Foto:
Dachreiter von Süden aus gesehe

Rechtes Foto:
Glockstuhl des Dachreiters
 

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Das Innere der Kapelle

Nach dem eher gotisch wirkendem Äußeren trifft der Besucher im Inneren auf eine barocke Ausstattung: ein großer Hochaltar und zwei Seitenaltäre rechts und links vor dem Altarraum.

Der Hochaltar

Im Zentrum des Hochaltars ist Johannes der Täufer dargestellt, wie er Jesus tauft. Im Aufsatz darüber sieht man Johannes den Evangelisten. Flankiert wird das Altarblatt links vom hl. Blasius und rechts von Hubertus.

Der Hochaltar:
Altarbild und
Tabernakel

 

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Hl. Blasius – Hochaltarfigur auf der linken Altarseite
Der hl. Blasius, einer der 14 Nothelfer, wird häufig als Bischof mit Stab und Mitra und zwei gekreuzten Kerzen dargestellt, so auch in Zarten. Die Kerzen gehen auf eine Legende zurück: Ein Wolf raubte einst das Schwein einer armen Frau. Durch Blasius’ Gebet erhielt die Frau das Schwein zurück. Zum Dank brachte sie Kopf und Füße des Schweins mit Früchten und einer Kerze zu Blasius.

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Dunkler Hirsch zu Füssen von Hubertus.

Hubertus – Hochaltarfigur auf der rechten Altarseite
Das Attribut von Hubertus, dem Schutzpatron der Jäger, ist üblicherweise ein weißer Hirsch mit einem Kruzifix im Geweih. In Zarten wird Hubertus, der Bischof von Maastricht und Lüttich war und 727 verstarb, mit einem Bischofsstab und einem dunkel gefärbten Hirsch zu seinen Füßen dargestellt.

Die Seitenaltäre

Auf dem linken Seitenaltar steht eine um das Jahr 1800 zu datierende jugendliche Immaculata (lat. die Unbefleckte). Auf dem rechte Seitenaltar steht eine Figur der hl. Margareta. Sie könnte von Mathias Faller aus St. Peter stammen [Franz Kern, 1990, Seite 32].

Maria Immaculata – linker Seitenaltar
Maria Immaculata wurde zur Zeit des Barock sehr gerne dargestellt. In Zarten als lichtverklärte Maria, die auf der Erdkugel steht und die Schlange, das biblisch Symbol der Sünde, mit den Füßen zertritt. Marie wird damit als Siegerin über die weltlichen Sünden dargestellt, die mit dem Biss von Adam und Eva in die Frucht des verbotenen Baums in die Welt kamen. In der Darstellung von Zarten hält die Schlange eine wurmbehafteten Frucht im Mund.

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Hl. Margareta – rechter Seitenaltar
Die hl. Margareta (Margareta von Antiochia), die Schutzpatronin der Bauern, ist eine der 14 Nothelfer. Angerufen wird sie auch bei Schwangerschaft, Geburt und Unfruchtbarkeit. Sie hält ein Kreuz in ihrer rechten Hand und zertritt einen Drachen: Zwei Attribute durch welche die hl. Margareta in der Kunst häufig dargestellt wird. Diese Symbole gehen auf eine Legendenerzählung zurück: Im Gefängnis erschien Margareta ein riesiger Drache und drohte sie zu verschlingen. Sie schlug das Kreuzzeichen und rettet sich dadurch.

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Fresken im Altarraum

Im Altarraum an der rechten und linken Wand befinden sich Fresken von Johannes dem Täufer und der hl. Margareta, die ins Mittelalter zu datieren sind [Franz Kern, 1990, Seite 32].

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Fresko von Johannes dem Täufer an der
linken Wand hinter dem Hochaltar.

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Fresko der hl. Margareta an der rechten Wand hinter dem Hochaltar,
rechts im Bild die 2008 gestiftete Orgel

Im nicht zugänglichen Dachgeschoss wurden eine über 500 Jahre alte Sekkomalerei entdeckt und konserviert [Franz Kern, 1990, Seite 32]. Sekkomalerei: Wandmalerei, die auf schon trockenem Mauerwerk oder Putz aufgebracht wird, häufig in der Romanik verwendet.

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Holzdecke im Hauptraum

Die renovierte Holzdecke im Hauptraum wurde bei der Renovation 1984 entdeckt und scheint vor 1700 entstanden zu sein [Franz Kern, 1990, Seite 32].

Historische Daten

816Erste urkundlich Erwähnung in der Schenkungsurkunde des Ritters Cozept, der seinen Anteil der
Johanneskapelle dem Kloster St. Gallen vermachte.
11. Jh.Älteste Teil der Kapelle: romanisches Rundbogenfensterchen über dem südlichen Seiteneingang
1878Anbau der Sakristei und errichten des Dachreiters
1965Renovation, Entdeckung der Altarraumfresquen
1984Vollständige Innenrenovation, Entdeckung der Holzkassettendecke – vermutlich vor 1700
entstanden
1987bis 1991: Neugestaltung der Außenanlage der Kapelle in der Tradition der Bauern- und Kloster-
gärten, Ergänzung der Umgrenzungsmauer, errichten einer Ruhebank und eines Brunnens
1999Zelebrationsaltar
2008Weihe der von der Familie Gerhard Schillinger gestifteten Orgel am 23. November. Die Orgel
baute Hubert Stucki.
2010Neugestaltung des Zelebrationsaltars, Ambos und Priestersitzes durch den Bildhauer
Daniel Rösch

Literatur und Links

März 2020